Ahnen

Am 10. 6. würde mein Urur…großvater Bartholomäus Ziegenbalg, der erste deutsche Missionar in Indien, seinen 335. Geburtstag begehen. Geboren wurde er in Pulsnitz, der Vater war ein begüterter Kornhändler, die früh verstorbene Mutter stammte aus einem

alten Bauerngeschlecht nahe Meißen.

Da der Vater und auch die älteren Geschwister schon sehr jung versterben, wird Bartholomäus von einer älteren Schwester aufgezogen. Diese schickte ihn auf die Lateinschule in Kamenz. Er verbrachte seine Zeit dort oft einsam in der Natur. Ab 1694 besuchte er das Gymnasium in Görlitz, was ihm das väterliche Erbe

ermöglicht hatte. Im Abschlusszeugnis fand sich die Beurteilung: " Nach Leib und Seele ein unfertiger Mensch!" In Görlitz befasste sich Bartholomäus mit mittelalterlicher Mystik, machte erste wirkliche Glaubenserfahrungen, lernte das Beten und entwickelte die für ihn typische Frömmigkeit. Dies brachte ihm den Spott seiner Mitschüler ein. Es entstand der Wunsch, Theologie zu studieren. Zum Studienbeginn in Berlin erhielt Bartholomäus ein Stipendium von 30 Talern jährlich, was für die damalige Zeit viel Geld war. Immer wieder kehrte er zwischenzeitlich nach Pulsnitz zurück. Als der dänische König Missionare nach Indien entsenden wollte, ließ sich Ziegenbalg am 29. 11. 1705 berufen und kam am 9. 7. des darauffolgenden Jahres in Tranquebar an. Der Start war schwierig, die Kollegen sahen in ihm einen Konkurrenten, die Eingeborenen ließen sich zwar taufen, behielten aber ihren eigenen Glauben (Brandopfer…) bei. Bartholomäus lernt innerhalb eines Jahres perfekt die tamilische Sprache und übersetzt die Bibel in diese. Noch heute verwenden tamilische Christen "seine" Originalbibel! Das Geld, welches der dänische König zu seiner Unterstützung schickt, wird immer wieder von den Vorgesetzten abgefangen und anderweitig verwendet. 1715 kehrte Ziegenbalg noch einmal nach Europa zurück und lernte seine spätere Frau Maria Dorothea Salzmann kennen. Nach der Rückkehr verschlechtert

sich sein labiler Gesundheitszustand immer mehr. Die Missionskollegen versuchen, seine Arbeit und den Bau weiterer Kirchen immer mehr zu behindern. Am 23. 2. 1719 verstirbt B. Ziegenbalg unter dem Lied "Jesus, meine Zuversicht". Der dänische König setzt sich persönlich für den Fortbestand der Missionsstation ein. Bis heute wird sie vom Leipziger Missionshaus, an dem ich selbst auch studieren durfte, betrieben.

 

Andreas Sehn